P Maerz 07 Frage 7 Zwangsstoerung

#1 von RR , 14.02.2012 23:24

Ein Hallo und eine Frage ans Forum,

Zur unten stehenden Frage soll Antwort B richtig sein

Welche Aussage trifft zu?
Ein 8-jähriger Junge berichtet, dass er ganz oft beten müsse, damit seine Eltern oder ihm nichts Schlimmes passiere. Beim Beten müsse er auch immer darauf achten, ja nichts falsch zu machen (z.B. die Hände nicht richtig zu halten, mit den Augen zu blinzeln, in Gedanken nicht richtig bei dem Gebet zu sein). Wenn er sich nicht sicher sei, dass er alles richtig gemacht habe, müsse er das Beten wiederholen. Wenn er das nicht tue, würde die Angst, dass etwas Schlimmes passiere, unerträglich. Wegen des vielen Betens könne er sich auch gar nicht mehr richtig in der Schule oder bei den Hausaufgaben konzentrieren.
Es handelt sich am ehesten um:

eine schlechte Gewohnheit
eine Zwangsstörung
eine übertriebene religiöse Erziehung durch die Eltern
eine beginnende kindliche Schizophrenie
ein altersgemäßes Verhalten eines ängstlichen Kindes

Waere dieser Junge ein Mann, dann wuerde ich der Antwort zweifellos zustimmen. Da es sich jedoch um ein Kind handelt erschließt sich die Diagnose fuer mich nicht. Koennte es sich nicht eher um einen passageren Zwang handeln? Wie ist hier diffenrentialdiagnostisch abzugrenzen? Bzw. Erschließt sich diese Antwort eher nach einem Ausschlussverfahren der Antwortmoeglichkeiten?

Lieben Dank fuer die Hinweise schon einmal im Voraus.

Lernfreudige und sonnige Gruesse,
RR

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RE: P Maerz 07 Frage 7 Zwangsstoerung

#2 von Thomas Rehork , 16.02.2012 22:30

Hallo RR,

passagere Zwänge sind eher "Sicherheitsrituale" (vor dem Einschlafen bestimmte Dinge an bestimmten Plätzen etc.), pedantisches Befolgen selbstauferlegter Regeln und Verbote (z.B. Puppen oder Stofftiere müssen immer am gleichen Platz liegen und in bestimmter Weise angeordnet sein), Spiele mit Ritualcharakter etc. Für einen passageren Zwang ist das Störungsbild schon viel zu ausgeprägt und mit viel zu viel Angst verbunden (Eltern oder ihm selber könnte bei falschem Beten was passieren, Angst wird als "unerträglich" beschrieben etc.) Hier verfestigt sich etwas mit ungutem Anstrich, der Leidensdruck ist hoch. Es gibt eben auch kindliche Zwangsstörungen mit einer dem Erwachsenen ähnlichen Symptomatik.

Passagere Zwänge sind eher so ein Ausprobieren des Lebensthemas Symmetrie und Ordnung, manchmal auch ein Abgrenzen von Geschwistern (der hat sein Spielzeug unordentlich, ich nicht). Die Eltern haben dabei häufig mehr Angst als das Kind, weil die befürchten, es könnten sich bleibende Zwänge daraus entwickeln.

Lieben Gruß
Thomas


 
Thomas Rehork
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zuletzt bearbeitet 16.02.2012 | Top

   

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