Potsdam 9.11.2017

#1 von Thomas Rehork , 10.11.2017 17:22

Hallo Herr Rehork!

Gestern habe ich in Potsdam meine mündliche Überprüfung bestanden.
Danke für ihren anschaulichen Unterricht und das gute Skript, da steht wirklich so ziemlich alles drin und es ist schön komprimiert.
Vielen Dank für Ihre Arbeit!
Und ich wünsche Ihnen noch viel Freude bei Unterrichten und Gesundheit und Zufriedenheit im Privaten.
Herzliche Grüße!
Anja
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Anbei mein Prüfungsprotokoll<.


Es ging los mit ca 30 min Verspätung, konnte also noch mitbekommen, dass eine Dame vor mir nicht bestanden hat und ein Herr bestanden hat.
Dann war ich an der Reihe.
1 HP, 1 Amtsarzt, 1 Psychiater
erst Ausweiskontrolle
" ob sie Ton aufnehmen dürfen?" ja
"ob ich mich in der Lage fühle die Prüfung abzulegen?" ja

HP:
"was steht denn im Patientenrechtegesetz?"
(oh je, ausgerechnet sowas....), mir viel nur Recht auf Aufklärung über Verdachstdiagnose/Diagnose, Prognose und mögliche Behandlungsformen ein. Er musste mir Aufklärung über die Kosten aus der Nase ziehen. Dass es meine Pflicht sei aufgrund des Gesetzes den Patient darüber aufzuklären, dass er bei mir bezahlen muss .... Ehrlich war ich auf die Frage nicht gut vorbereitet.
Richtige Antwort wäre gewesen: das Einsichtsrecht in die Behandlungsunterlagen, das Recht auf Information und Aufklärung,
das Recht auf Selbstbestimmung, das bedeutet, dass eine medizinische Maßnahme nur nach erfolgter Einwilligung erfolgen darf.
guckst du hier https://www.bundesgesundheitsministerium...ntenrechte.html

"Beispiel: zu Ihnen kommt eine Frau, die ist schwanger im 8. Monat und sie wird nachts immer wach, mit Herzrasen und Angstgefühlen. Was könnte das sein?"
Vena Cava KompressionsSyndrom. Ich rate ihr sich auf die Seite zu legen zum schlafen u wenn es nach drei tagen nicht besser ist soll sie wieder kommen. (Ich glaube nicht dass sie das jemanden fragen der/die keine Hebamme ist)

Psychiater:
"Wo stehen denn in der ICD10 depressive Symptome?"
also gebe ich kurze Definition, Symptome und Zeitangaben, Zusatzsymptome, Somatisches Syndrom. Dann wo sie überall vorkommen.
"Wie würden sie denn einen Depression behandeln?"
erstmal sage ich dass ich den Pat zum Arzt/Psychiater schicken würde, einmal zwecks Medikamenten, aber auch wegen Ausschluss körperlicher Ursachen.
Zudem kläre ich die Suizidgefahr ab. Und wenn ja dann Sozialpsychiatrischen Dienst anrufen.
"Jetzt kommt ein Mann in Ihre Praxis und ist schlecht drauf, seine Frau hat sich getrennt. Wie therapieren Sie ihn?"
(Hier erwähne ich dass ich keine Therapieausbildung habe - der Psychiater ist entsetzt. Ernsthaft. Er sagt: "Und Sie wollen die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde haben? Das ist aber sehr gewagt." Ich erwidere, dass ich das Problem erwartet habe und es gesetzlich aber so geregelt ist, dass eine Therapieausbildung keine Vorraussetzung für die Überprüfung ist. Ich erkläre , welche Formen ich wann wo wie lernen möchte (Gesprächstherapie nach Rogers und Traumatherapie Somatic Experiencing) Außerdem habe ich durch meine Arbeit als Hebamme Vorwissen, was zum Beispiel den Umgang mit Ängsten und Entspannungsverfahren betrifft. Er lässts gut sein. Also zu der Frage:)
Abklärung siehe oben, dann nehmen wir an er hat eine leichte depressive Episode oder eine Anpassungsstörung, es kommen die Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Kognitive VT und PA und Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie in Frage. Ausserdem Strukturierung des Alltags, Bewegung, Entspannungstechnicken.

Amtsarzt:
"In der Schwangerschaft gibt es ja auch Psychosen. Was kennen Sie denn da?"
ich sage, ja die gibt es, wobei die Psychosen im Wochenbett deutlich häufiger sind. Psychosen in der Schwangerschaft kann man medikamentös schlecht therapieren.
"Woran bemerken Sie denn so eine Psychose?"
Ich erkläre, veränderte Stimmung, evtl gedrückte Stimmung, keine Freude über das Kind, Frau spricht wenig, Unnahbarkeit, Schlafstörungen, Frau möchte nicht rausgehen, scheut soziale Kontakte...
"Und konkreter?"
Wahnideen, wie Beeiträchtigungswahn, Strahlungswahn, Halluzinationen, Ich-Störungen (Derealisation, Depersonalisation)
Ich berichte von einem Fall aus meiner Hebammentätigkeit vor kurzer Zeit.
"Wenn Sie sowas jetzt feststellen, was machen Sie dann?"
Also wenn ich den Eindruck habe, sie könnte sich oder dem Kind direkt Schaden zufügen oder ich kann es nicht ganz ausschließen, würde ich Sie bitten, sich in Psychiatrische Betreuung zu geben, ich würde direkt einen Termin vereinbaren, am gleichen Tag. Wenn das nicht möglich ist, oder SIe nicht einwilligt rufe ich den SPD an oder den Notarzt und bleibe bis zum Eintreffen bei der Frau. (Vermeiden einer Kindeswohlgefährdung)


-----Ende-----Bestanden-----Aufatmen-----

Meine Tips für andere Lernende:

Ehrliches freundliches Auftreten.
Sich verdeutlichen, dass die Prüfer wissen wollen, ob wir ernsthafte Krankheitsbilder erkennen können und was wir dann tun.
Sie wollen aber auch hören, was wir uns zutrauen und wie wir therapieren werden.
In Potsdam scheint eine Therapieausbildung schon die `halbe Miete´zu sein. Wer das nicht hat sollte sich eine freundliche, aber sichere Antwort parat legen!!!
Die ICD10 kennen und erläutern können.
Ja und die Gesetze nochmal angucken....;-)

 
Thomas Rehork
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RE: Potsdam 9.11.2017

#2 von Thomas Rehork , 10.11.2017 17:34

Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung und vielen Dank für das ausführliche Prüfungsprotokoll!

Die Gesetze angucken, das ist wahrlich ein guter Tipp! Das Patientenrechtegesetz hatten wir doch lang und breit im Kurs. Verbunden mit dem Hinweis, dass das in Potsdam besonders gerne gefragt wird... ähem...

Normalerweise bekommt man in Potsdam die Heilerlaubnis ja erst, wenn man eine Therapieausbildung nachweist. Da ist es schon erstaunlich, dass Sie die einfach bekommen haben, obwohl (oder vielleicht auch ein bisschen weil) Sie so offen mit diesem Faktor umgegangen sind. Wahrscheinlich wird Hebammen als Medizinberuflern die nötige Sorgfalt für die psychotherapeutische Heilkunde zugeschrieben. Die haben Sie ja dann auch gezeigt, indem Sie über Ihre berufliche Tätigkeit berichteten und über die Intervention bei Patientinnen mit Schwangerschaftspsychosen. Sicherlich kein Zufall, dass Sie diese Fragen bekommen haben. Die durchschnittliche Heilpraktiker-Psycho-Anwärterin würde man sicher nicht nach Vena-Cava-Kompressions-Syndrom fragen, vielleicht beim großen Heilpraktiker mal.

Liebe Grüße
Thomas


 
Thomas Rehork
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zuletzt bearbeitet 10.11.2017 | Top

   

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