Fallbeispiel aus mündlichen Prüfungen

#1 von Smikawei , 23.03.2011 12:14

Lieber Thomas,
viele Fragen...
Was macht Diabetes mellitus mit dem Schlaf?
Welche Wirkungen haben Betablocker (Medikamentnmissbrauch)?
Was bedeutet ISO-Prinzip im Zusammenhang mit der Suizidtherapie?
Was sind Distanzierungstechniken in der VT?
Wieso sind Menstruationsausfall und Schwindel ein Hinweis auf Depression? Gehört das zu den Vitalstörungen?
Es müssen ja nicht alle Fragen auf einmal beantwortet werden, sondern so nach und nach?
Herzliche Grüße
Bärbel

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RE: Fallbeispiel aus mündlichen Prüfungen

#2 von Thomas Rehork , 23.03.2011 12:38

Hilfe!

 
Thomas Rehork
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RE: Fallbeispiel aus mündlichen Prüfungen

#3 von Thomas Rehork , 23.03.2011 18:39

Also:
Zum Diabetes: Der macht ziemlich viel mit dem Schlaf. In unserem Zusammenhang vor allem auch psychovegetative Syndrome, ähnlich Somatisierungsstörung, hatten wir ja auch als DD: metabolisches Syndrom. Da gibt es aber auch viel mehr, siehe z.B. hier: Diabetes und Schlaf, oder auch hier: unruhiger Schlaf und Diabetes.

Betablocker blockieren die Beta-Rezeptoren des Adrenalin und haben dadurch eine Herzfrequenz reduzierende, Blutdruck senkende und Gefäße erweiternde Wirkung. Insbesondere die Reduktion der - im Angstanfall pathologisch gesteigerten - Herzfrequenz läßt sie auch als Mittel gegen Angst- u. vor allem Panikstörungen wirksam werden. Sie gelten hier aber nicht als Mittel der ersten Wahl sondern eher serotonerge Antidepressiva, also vor allem SSRI, evtl. kombiniert mit einer kurzfristigen Benzodiazepin-Einnahme.

ISO-Prinzip (Gleichheits-Prinzip): Der Begriff kommt aus den USA und spielt z.B. eine Rolle in der "Poetry Therapy". Hier hat man festgestellt, dass es etwa dem depressiven Patienten nicht hilft, wenn man ihm freudige Gedichte vorliest, sondern man muss mit ihm ein depressives Gedicht vorlesen, aber mit einem positiven Ausblick. Das funktioniert so ähnlich wie leading und pacing im NLP: Ich kann erst pacen, wenn ich leading erreicht habe. Ich muss mit dem Patienten erst eine Ebene finden, bevor er mich hört und meine Botschaft annehmen kann. In der Suizidtherapie heißt das natürlich, dass es nichts bringt, Verbesserungsvorschläge zu präsentieren, wenn man noch gar keine gemeinsame Ebene erreicht hat. Der Begriff ISO-Prinzip ist auf dieser Seite des großen Teichs insgesamt nicht so bekannt und wahrscheinlich auch keinem Prüfer, so dass ich ihn vorsichtshalber in der mündlichen Prüfung gar nicht verwenden würde.

Distanzierungstechniken: Man nimmt eine innere Distanzierung vor, z.B. sagt man sich bei Panikattacken: "Was geht gerade mit mir ab? Aha, es ist nur eine Panikattacke, das kennste doch. Es besteht keine objektive Gefahr. Wann war die letzte? Vorige Woche. Wie lange dauerte sie? Eine Viertelstunde. Auch diese ist in 15 Minuten vorüber." Man kann auch z.B. bei Schüchternheit oder Perfektionismus den "inneren Kritiker" lächerlich machen. "Ach du doofes Über-Ich, schon wieder am Meckern? Lass dir mal was Kreatives einfallen!" "Ridiculus" bei Harry Potter, siehe auch hier den Beitrag in der Smalltalk-Sektion.

Menstruationsausfall und Schwindel sind ein Zeichen für Schwangerschaft, Männer kommen beim Hören dieser Symptome komischerweise viel schneller auf die Idee. Ohne Schwangerschaft können sie auch somatische Symptome einer Depression sein (nicht Symptome des "Somatischen Syndroms" nach ICD-10!). Das ist einfach aus der klinischen Erfahrung, dass Schwindel, Schweißausbrüche u. andere psychovegetative Symptome bei Depressionen häufig auftreten. Zwar ist der Antrieb blockiert, aber innerlich kocht man meistens, so kann man das auch emotional erklären. Depressionen gehen oft mit hormonellen Veränderungen einher, namentlich des Cortisol- u. des Gnonaden-Systems sowie der Schilddrüse. "Vitalstörungen" ist ein alter Begriff, der häufig nicht genau definiert wird. Einige werden die genannten Veränderungen also dazurechnen, andere nicht. Die meisten werden sich bei Vitalstörungen aber einig sein was z.B. Magen-Darm-Probleme angeht, störende Gefühle im Brust-Herz-Bereich, Kloß im Hals, Ring um die Brust, Herzklopfen, "Kopf wie Blei", Rückenbeschwerden, allgemeine Gefühle der Schwere sowie Blasen- u. Prostata-Probleme.

Vitale Grüße
Thomas

 
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RE: Fallbeispiel aus mündlichen Prüfungen

#4 von Smikawei , 23.03.2011 20:17

Hallo Thomas,
viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiielen Dank!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Bärbel


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zuletzt bearbeitet 23.03.2011 | Top

RE: Fallbeispiel aus mündlichen Prüfungen

#5 von Protoplasma , 05.07.2011 10:45

"Das funktioniert so ähnlich wie leading und pacing im NLP: Ich kann erst pacen, wenn ich leading erreicht habe."
Sie meinen das doch umgekehrt, gell? Erst pacing (Einstieg in die Gefühlswelt), dann leading (führen, Schritt für Schritt)?

 
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RE: Fallbeispiel aus mündlichen Prüfungen

#6 von Thomas Rehork , 08.07.2011 15:05

Klar, pacing und leading, hab ich verwechselt. Ich muss erst pacen, bevor ich leaden kann, so rum.

 
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