Prüfungsfragen, mündliche Prüfung

#1 von Ria , 05.11.2017 13:07

Lieber Herr Rehork,

ich habe beim Lernen für die mündliche Prüfunge einige Fragen gefunden, bei deren Beantwortung ich mir unsicher bin und schreibe sie daher hier ins Forum:

1.) Wie beschreibt ein depressiver Patient seine Stimmung?
- Ich bin der Meinung, dass dieser Patient sich selbst als traurig beschreiben würde; er habe Sorgen, mache sich Gedanken bezüglich der Zukunft, hätte zu nicht mehr so richtig Lust, könne sich schwer konzentrieren, würde schlecht schlafen…
- Korrekt?

2.) Welche Depressionen gehen mit einem besonders hohen Suizidrisiko einher?
- Agitierte Depression, (postschizophrene Depression), Altersdepression?
- Hinzufügen, dass ältere Menschen, insbesondere, wenn sie allein leben, ein erhöhtes Suizidrisiko haben…

3.) Welches sind die wichtigsten Symptome einer Schiziphrenie?
- Hier muss man vermutlich mit den typischen Punkten antworten, die charakteristisch für eine Psychose sind: Realisitatsverlusst, totales Ergriffensein, Wahnanfälligkeit
- Vielleicht noch typisch psychotische Symptome nennen wie: Halluzinationen, Wahn, sehr starke affektive oder/und psychomotische Symtpome

4.) Wie entsteht eine dissoziative Störung aus psychoanalytischer Sicht?
- Kann man hier auch einfach antworten, dass diese Störungen häufig auch Konversionsstörungen genannt werden und dann erklären, was Konversion bedeutet?
- Wobei Sie uns eigentlich erklärt haben, dass typische Konversionsstörungen eigentlich jene sind mit körperlichen Symptomen (also: dissoziative Krampfanfälle, Bewegungsstörungen, Sensibilitätsstörung)

5.) Unterschied zwischen somatoformen und psychosomatischen Störungen
- Ich dachte, dass somatoforme Störungen früher psychosomatisch genannt wurden!?
- Oder will man hier auf die „Holy Seven“ zu sprechen kommen, die ja inzwischen auch kontrovers diskutiert werden?
- Aber wo ist der Unterschied?

6.) Typische Übertragung und Gegenübertragung bei Borderline-Patienten:
- Übertragung: starke gegensätzliche Gefühle: Wut, Aggressionen, Angst, Unsicherheit, Gefühl von Leere
- Gegenübertragungsgefühle: wahrscheinlich ebenso starke Gefühle wie Wut


Ich muss schon zugeben, dass ich mir große Sorgen mache wegen der Prüfung. Ich fühle mich sehr gut vorbereitet, aber einige Fragen aus Prüfungsprotokollen gehen sehr ins Detail und behandeln Ausnahmesituationen. Das ist etwas beängstigend...
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!!
Viele Grüße, Ria.

Ria  
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RE: Prüfungsfragen, mündliche Prüfung

#2 von Thomas Rehork , 08.11.2017 21:12

Liebe Ria,

zu 1) Die Depression ist in der Praxis ein vielgestaltiges Krankheitsbild, dass sich keineswegs einfach beschreiben lässt. Viele sind gedrückt, machen sich Sorgen, haben sog. Alltagsängste ("Wie schaff ich den Brief ans Amt nur?"), manche sind verzweifelt, haben das Gefühl überhaupt keine Kraft mehr zu haben, schwere Glieder zu haben wie Blei oder festgeleimt, andere haben nur ein diffuses Krankheitsgefühl und das Erleben, im eigenen Körper würde sich was unklar und seltsam verändern u.a.m. In der Prüfung hält man sich am besten an die ICD-10-Symptome, da kann man nichts falsch machen.

Zu 2) Die Suizidgefahr nimmt allgemein mit dem Schweregrad zu, wobei die Antriebsblockade evtl. die Ausführung blockieren kann. Altersdepressionen und Depressionen im Zusammenhang mit Schizophrenie oder körperlichen Erkrankungen haben generell ein höheres Suizidrisiko.

Zu 3) Halten Sie sich auch hier am besten an die ICD-10, da kann man nichts falsch machen. Also Gruppe 1- und 2- Symptome.

Zu 4) Eine dissoziative Störung entsteht, wie andere Neurosen auch, aus dem Konflikt zwischen Über-Ich und ES wobei das Ich vermitteln muss - so wie im Kurs ausführlich mit Schaubild dargelegt. Das Symptom entsteht als Entlastung von einer Spannung in der symbolischen Vermittlung zwischen Über-Ich und ES. Nur ist das Symptom hier etwas spezieller. Abgewehrte Inhalte werden ungeschehen gemacht oder auf dem Wege des Abwehrmechanismus Konversion in körperliche Probleme verwandelt. Konversionsstörungen sind - streng genommen - ein besonderer Fall der dissoziativen Störungen, da bei ihnen Körpersymptome auftreten (vor allem Bewegung und Sinnesfunktion). In der Praxis treten dissoziative psychische Symptome (wie Spontantrance, Amnesie) und Konversionssymptome nicht selten zusammen auf. Es gibt aber auch viele Patienten, die nur Konversionssymptome haben, wie z.B. einen Tremor im Zusammenhang mit einer psychischen Belastung, die vom Patienten nicht als solche erkannt wird.

Zu 5) Der Begriff "psychosomatisch" wird in der modernen diagnostischen Nomenklatur (ICD-10) nicht mehr verwendet, weil er zu allgemein ist. Er bezeichnet im Grunde jede Leib-Seele-Wechselwirkung, man möchte aber zu spezifischen Diagnosen kommen. "Psychosomatisch" bezeichnet also sowohl Konversionssymptome als auch somatoforme Störungen als auch (teilweise) psychische Störungen mit körperlichen Faktoren. In der Psychiatrie-Geschichte bezeichnete der Begriff aber zunächst die sog. "Holy Seven" , die weder holy sind noch seven, wenn man genau guckt. Diese gelten heute als körperliche Krankheiten, bei denen eine seelische Mitbeteiligung wahrscheinlich ist (ICD-10 Diagnose: Die jeweilige Organkrankheit und dann zusätzlich F54).

Zu 6) Die Borderline-Patienten gelten als mit einer sehr wechselhaften Übertragung ausgestattet. Einerseits wird der Therapeut hochgeliebt, manchmal durchaus im erotischen Sinne, dann wieder urplötzlich abgewertet und beschimpft bzw. ignoriert. Das löst natürlich schnell heftige Gegenübertragungsgefühle aus wie Enttäuschung, Wut, Ärger, mit denen der Therapeut umgehen muss. Wichtig ist, die professionelle Distanz zu halten.

Sie müssen sich nicht so verrückt machen wegen der Prüfung, die Prüferinnen sind wohlwollend und geben einem auch schon mal Tipps und Hinweise. Es ist halt ein Gespräch über paar psychopathologische Themen, die spielen ihre Rolle, Sie die Ihre und machen einfach einen guten Eindruck!

Viel Erfolg!
Thomas Rehork


 
Thomas Rehork
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zuletzt bearbeitet 08.11.2017 | Top

   

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