Prüfung Lichtenberg 11.2014

#1 von Thomas Rehork , 13.11.2014 22:52

Überbrüfung in Lichtenberg, 11.11.2014_ christiane
Prüferin Frau Haase (oder Haas) vom SPD, kein Beisitzer vom Heilpraktikerverband
(nicht erschienen, telefonisch nicht zu erreichen, ob es unser Einverständnis hätte, die
Prüfung trotzdem durchzuführen. (mein allergrößtes Einverständnis, einer weniger, dem
knifflige Fragen einfallen können!)
Mein Mitprüfling, sehr entspannt - wie sich später rausstellte angehende
Entspannungstherapeutin - glücksfall nummer 2: ihr war
egal, wer anfängt, hatten wir draußen auf dem flur besprochen. das setting war war aus
den Protokollen hervorragend wiederzuerkennen: die gruselige Erste-Hilfe-Übungspuppe
(Kind), die gespitzten Bleistifte auf je einer halbierten DIN A4 Seite Umweltpapier, Glas
Wasser, Diktiergerät, überraschend schöner Blick aus dem Fenster im 5. Stock.
los gings.
4 zerknüddelte grüne Karteikarten, 4 zerknüddelte weiße Karteikarten, daneben der
berühmte Karteikasten, ziehn Sie bitte eine Rechtsfrage und lesen Sie sie laut vor und
nennen sie bitte laut Ihren Namen für die Tonbandaufnahme.
meine karte:
1.) was besagt das Betreuungsrecht, wie wird es bei psychisch Kranken angewandt.
2.) welche Alternativen gibt es zur Betreuung.
das hatte ich geübt (danke nochmal für die prüfungssimulation, herr rehork!) und den
ersten absatz gesetzestext quasi auswendig gelernt, den Rest weiter mit eigenen Worten,
und war mit dem herbeten noch gar nicht ganz fertig:
danke das genügt mir. was können sie mir zu alternativen sagen.
jemanden notariell bevollmächtigen...
und was noch? (die prüferin macht so eine kleine unauffällige handbewegung und zeigt
auf sich) ja klar, eingliederungshilfen des sozialpsychiatrischen dienstes, aufsuchend,
beratend...
danke das genügt mir.
mein mitprüfling zieht: psychKG, wie läuft das unterbringungsverfahren, wie sind die fristen.
sie macht das super, verhaut sich aber bei den fristen, sagt 6 monate.
die prüferin: sagen Sie, wie warn nochmal genau die Fristen?
6 Wochen natürlich.
Nachfrage bei besondere Rechtsgüter anderer: wenn jemand losgeht und bricht überall
die Seitenspiegel von den Autos ab, kann das ein Unterbringungsgrund sein:
nein, ist nur Sachbeschädigung.
danke, das genügt mir.
jetzt wieder ich, Fallfrage.
60 jährige Frau, länger nicht von den Nachbarn gesehen, erkennt ihre Tochter nicht mehr,
führt laut selbstgespräche, macht die tür nicht auf. verdächtigt die tochter, es auf ihr erbe
abgesehen zu haben, so ähnlich.
meine Antwort: diese Frau muß zum Arzt. SPD, Betreuung, evtl. Eilantrag
warum: klingt vaskulär, was heißt “länger nicht gesehen” (soviel länger, daß sich in der
zwischenzeit alzheimer entwickelt hat, sicher nicht) also Verdacht auf was organisches,
ich hab noch was gebrummelt von “kann z.B. auch sein viele kleine Infarkte” , weil mir
das wort Multiinfarktdemenz und TIA usw. nicht einfallen wollte... danke das genügt mir.
wenn die Frau jetzt nicht 60 sondern 30 wäre, was würden Sie dann vermuten:
Schizophrenie, die selbstgespräche könnten auf akustische Halluzinationen also Stimmen
hören hinweisen.
genau. und wenn sie jetzt doch wieder 60 ist, woran denken sie noch:
Alkohol, Medikamente durcheinandergenommen, Suizidgefahr.
danke, das genügt mir.
Mein Mitprüfling hatte folgenden Fall (kam mir auch irgendwie bekannt vor)
38-jähriger Mann wegen Müdigkeit, Leistungseinbußen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit,
Libidostörungen, mit dem Wunsch nach Aufputschmitteln gegen die Müdigkeit und mangelnde
Leistungsfähigkeit, (so ähnlich, genauer krieg ich es leider nicht mehr zusammen)
mein Mitprüfling: sehr ausführlich zu Depressionsdiagnostik, Schlafstörungen (die 5 ps),
Unterschiede Dysthymia / depressive Episode, Suizidprophylaxe.
Nachfrage: wie machen sie das denn genau
fragen. genau fragen. pöldinger und ringel. (etwas norddeutsch knapp)
nachfrage der prüferin: also der sitzt jetzt vor ihnen und hat den strick schon gekauft. was
machen sie denn jetzt?
mein mitprüfling: dann handelt es sich um eine konkrete suizidfantasie und der patient
befindet sich in der entschlussphase.
prüferin: ok, nochmal ganz anders, er sitzt vor ihnen und sagt er hat in der tasche die
pistole, was tun sie denn jetzt!
pflichtschuldigst mein mitprüfling: ich rufe den SPD. und die Polizei.
weiter gehts. was halten sie denn von seiner idee mit den aufputschmitteln.
antwort: nichts.
bringt mich auf die idee, ihn nach drogen, alkoholkonsum und medikamenten zu befragen.
angenommen, er ist nicht suizidgefährdet, wonach fragen sie ihn noch
Auslöser, ob es eine Anpassungsstörung sein könnte, Job verloren z.B.
und was für eine Therapiemethode empfehlen sie ihm
verhaltenstherapie
ja, genau. bezahlt das die Krankenkasse, wie lange kann er das machen?
50 stunden
Danke, Gratulation, Sie haben bestanden.
Tonband aus: jetzt erzählen Sie mal. was machen Sie, was haben Sie weiter so vor.
was soll ich sagen, ich fühlte mich, als hätte die prüferin uns beiden Stockfischen eine
stunde lang freundlich über die straße geholfen... da hatte ich weiß gott andere prüfungsprotokolle
gelesen!
ich bin jedenfalls höchsterleichtert, daß es vorbei ist, die 4 wochen zwischen schriftlicher
und mündlicher prüfung fühlten sich zu kurz an, das war sehr stressig. zum schluß hatte
ich fast den mut verloren, und dachte immer: egal, machst dus halt im märz nochmal.
danke Herr Rehork für diesen tollen Unterricht.
das war spannend und interessant, gleichzeitig war das riesen stoffgebiet perfekt eingegrenzt
auf die Anforderungen für die beiden prüfungen, und auch persönlich sind für mich
viele Türen wieder aufgegangen, die jahrelang verschlossen waren. Danke für die gute
und hilfreiche Materialsammlung auf ihren cd s, im Forum, all die Literaturhinweise und
filmausschnitte und ihre lebendigen Fallschilderungen!
auch meiner gruppe danke und alles alles gute für die Überprüfung!

 
Thomas Rehork
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Potsdam, 11.2014
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